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Die Theologie des Schnupftabaks

Der Schnupftabak ist das Beste Schutzmittel gegen die 7 Hauptsünden: Hoffentlich bringen wir die 7 Hauptsünden noch zusammen!!!

1. Hochmut:
Ein Schnupfer ist niemals hochmütig; auch in den vornehmsten Gesellschaften scheut er sich nicht, seine "rote Fahne" zu entfalten und seine Nasentoilette zu erledigen!

2. Neid:
Neidlos gönnt er jedem seine Marke: Der eine schnupft McChrystal’s, der andere Covent, der eine Offenbacher Cardinal, der andere Lotzbeck, der andere Regensburger, der eine Landshuter, der andere Dotschi, der andere Nacchi-Dochos, der eine Bismarck-Rappe, der andere Moltkeprise, der eine Dotschi, der andere Cognor, der eine Schmalzler, der andere Russischen Augentabak. -Suum Cuique- Jedem das Seine! - Neidlos gönnt er jedem seine Lieblingsmarke!

3. Geiz:
Der Schnupfer ist niemals geizig. Jedem, der irgendwie Interesse bekundet, gibt er bereitwillig eine Prise!

4. Unkeuschheit:
Der Schnupfer hat mit einer Schweinerei genug!

5. Zorn:
Der Zorn möchte ihn fressen. Er möchte aus der Haut fahren. - Er holt eine Prise. Das beruhigt seine Nerven. Die Stirnfalten glätten sich. Die Zornwolken verflüchtigen sich. Er ist wieder ganz ruhig!

6. Trägheit:
Er ist stinkfaul. Er möchte keinen Streich mehr tun und alle Viere von sich strecken. Dann holt er eine Prise. Das erfrischt ihn, das ermutigt ihn. Mit neuer Schwungkraft geht es ans Holzspalten, ans Pickeln, ans Schaufeln, ans Backsteinwerfen und ans Balkenschleppen.

7. Unmäßigkeit:
Wir wissen doch sehr wohl, wie es zugeht bei Hochzeitsfeiern, bei Jubiläen, bei Silvesterfeiern: Schüsselweise, plattenweise werden die Speisen aufgefahren. - Kannenweise, flaschenweise, krugweise werden die Flüssigkeiten verteilt: Wein, Bier und andere Alkoholika. Seien wir ehrlich: Nicht nur krugweise, sonder flaschenweise, tonnenweise bei Festlichkeiten. und was tut der Schnupfer? Wenn man sonst ganz bescheiden ist, nimmt man von einer feinen Sache ein Teelöffel voll. Der Schnupfer nimmt nicht einmal einen Teelöffelchen voll. Der Schnupfer nimmt nur, was er mit den Spitzchen seiner Finger erhaschen kann. Das holt er. Das führt er sich zu Gemüte. Ein vernünftiger Mensch kann das niemals Unmäßigkeit nennen. Ein vernünftiger Mensch nennt das deste Erziehungsmittel zur Mäßigkeit, zum Maßhalten!


Artikel aus dem Magazin Stocks vom 13.07.2001

Es wird wieder geschnupft!

Von den Glimmstängeln wurde der Schnupftabak lange Zeit fast ganz verdrängt. Jetzt erlebt der Snuff landauf und landab ein veritables Comeback.

Von Ulrich Aeschlimann


In userer Zeit, in der auf jeder Tabakpackung "Rauchen gefährdet Ihre Gesundheit" steht und die Raucherabteile in den Gastronomiebetrieben und Bahnwagen schneller dahinschmelzen als die Gletscher der Alpen, mögen Berichte über "genüssliches Tobaken" als keck erscheinen. Dessen ungeachtet prägt der Tabak das Leben und den Lifestyle unzähliger Menschen wesentlich, und seine Rolle als historisches Kulturgut ist unbestritten.

Im Trend !

Bis ins 19. Jahrhundert konsumierte man in Europa mehr Tabak zum Schnupfen als solchen zum Kauen oder Rauchen. Besonders am spanischen und französischen Hof schnupfte (fast) alles, was Rang und Namen hatte. Schnupftabak galt sogar als probates "Remedium" gegen Kopf- und Zahnschmerzen, Schlaflosigkeit, Husten und Erkältungen. Durch König Karl II., der ihn im Exil in Frankreich schätzen gelernt hatte, wurde Tabak auch in England verbreitet. Königin Charlotte beispielsweise, die Gemahlin von George III., wurde sogar "Snuffy Charlotte" genannt...
Nach 1700 überrollte die Schnupfpassion auch den Kontinent. Napoleon Bonaparte (der monatlich über sieben Pfund des wohlriechenden braunen Pulvers inhaliert haben soll) und Charles Darwin, aber auch der Duke of Wellington mögen hier als Vorbilder gedient haben. Von Admiral Nelson, dem Sieger von Trafalgar, erzählt man sogar, er sei nie ohne einen Vorrat an Schnupftabak in See gestochen. Selbst als Heuer für die englischen Matrosen soll Snuff mitunter gedient haben. Aber auch die alten Eidgenossen verschlossen sich ihm nicht: vor allem in Militärkreisen huldigten sie ihm immer wieder - oft sogar mit dem Absingen einer regelrechten "Schnupfhymne".



Heute feiert der Snuff ein veritables Comeback, nachdem er seit Anfang des 20. Jahrhunderts fast bis zum völligen Out von der Zigarette und der Zigarre verdrängt worden ist. Wer es nicht schon selber beobachtet hat, kann sich online davon überzeugen. "Die Schnupfszene Schweiz lebt! Definitiv!" heisst es unter www.schnupftabak.ch auf der Homepage der in Elgg ZH domizilierten Breeze GmbH, dem grössten Schweizer Schnupftabak -Verkaufsgeschäft.
Dass wieder zunehmend Menschen beiderlei Geschlechts dem Schnupfen auf dem Snowboard, am Sandstrand oder in der In-Beiz frönen, mag angesichts der wachsenden Anti-Raucher-Stimmung verwundern. Zwar steht auch auf den Schnupftabakdosen aus Aluminium die erwähnte Warnung vor gesundheitlichen Risiken im Umgang mit dem wohlduftenden Inhalt. Aber die Snifferinnen und Sniffer lassen sich deswegen vom genüsslichen Tun ebenso wenig abhalten wie die passionierten Zigarettenraucher und Zigarrenliebhaber von ihrem Glimmstängel oder die Pfeifenraucher von ihrer hölzernen "Türfalle".


Umso weniger, als rund um die Schnupftabäkler Passivraucher nicht um ihre Gesundheit fürchten müssen. Zudem enthält Schnupftabak zwar ebenfalls gesundheitsschädliches Nikotin, dafür aber wenigstens keine Krebs erregenden Teerstoffe.
Stattdessen verspürt man eine kurze, irgendwie befreiende Wirkung, wenn man sich mit dem Rand des Dosendeckels die zwei kleinen Prisen auf dem Rücken der linken Hand erst einmal zurechtgehäufelt und - jede kurz und kräftig - durchs linke und rechte Nasenloch eingesaugt hat. Dabei sollte die richtige "Handhabung" beachtet werden: "Wer vom Rücken der rechten statt der linken Hand schnupft, entlarvt sich als Banause", erläutert Breeze-Geschäftsinhaber Thomas Fritsche das einfache, schwer zu beschreibende Handling. Und zum Schnupf-Feeling meint er: "Wenn man daraufhin niest, statt es zu geniessen, so hat man entweder schlechten oder dann zu trockenen Tabak geschnupft." Dass vor allem Anfänger bisweilen auch das Nikotin zu spüren bekommen, verhehlt Fritsche aber keineswegs: "Als Anfänger können sie vielleicht schon mal eine leichte Übelkeit verspüren. Aber das geht relativ schnell, nach längstens etwa 30 Sekunden, wieder vorbei."

Das wirklich essenzielle Genusserlebnis
besteht aber nicht bloss in einem angenehmen Gefühl, das sich nach dem "Einziehen" des Snuffs im Kopf kurzfristig ausbreitet. Auch das Tabakschnupfen ist
(wie das Zigarrerauchen) vor allem ein ritueller Akt der Geselligkeit innerhalb einer Gruppe von Gleichgesinnten, ist aber - weil ohne Rauchentwicklung - wesentlich "umweltverträglicher".

"Wer mit der rechten Hand schnupft, entlarvt sich als Banause".

Die Geselligkeit kommt nicht zuletzt in den Sprüchen zum Ausdruck, welche die Schnupfer vor dem "Einziehen", gemeinsam sprechen. Ihr (mehr oder weniger kreativer und origineller) Inhalt zeige, dass das Schupfen derzeit noch vorwiegend eine Männerdomäne ist. Es gebe aber, räumt Fritsche ein, "doch auch immer mehr Frauen, die gerne mal eine Prise hinaufziehen".
Das braune Pülverchen importiert Breeze GmbH, in kreisrunden Alu-Döschen gebrauchsfertig verpackt, direkt vom Hersteller McChrystal's aus dem englischen Leicester. Es gibt in der Schweiz aber auch Schnupftabak anderer Hersteller zu kaufen; weitere bekannte Marken neben der erwähnten sind Sturco, President, Jip, Ozona, Löwenprise, Gletscher, und Red Bull. Breeze verkauft nebst dem Snuff auch "trendige", aber nicht unbedingt benötigte Accessoires, wie etwa vergoldete, hochglanzpolierte Metall-Schnupfröhrchen - alles auch auf Bestellung via Internet. Als Zeichen ihrer Zusammengehörigkeit in der Öffentlichkeit dienen vielen Schnupferinnen und Schnupfern zudem T-Shirts und Mützen mit aufgedrucktem (Snuffhersteller-) Logo. Auch sie verkaufen sich laut Fritsche "wie warme Semmeli".

Als "vorläufig noch überwiegende Männerdomäne" ist das Tabakschnupfen, wie schon weiland bei den Soldaten der Alten Eidgenossenschaft, auch unserer Tage im Militär ganz besonders "in". Zumindest in bestimmten Waffengattungen: "Bei uns Fallschirmspringern hat Schnupfen Tradition", erklärt Fritsche. "Vom Obersten bis hinunter zum Soldaten wird bei uns geschnupft."
Dabei scheint dieser Brauch von Seiten der Piloten her unter den Fallschirmspringern Eingang gefunden zu haben. In der Tat zeigt der neueste Fotoband über die Patrouille Suisse unter anderem ein Bild, auf dem Mitglieder dieser Staffel geniesserisch Tabak sniffen. "Unsere Piloten und wir Fallschirmspringer bekennen uns absolut dazu", doppelt Fritsche nach. "Ich bin zusammen mit unseren Piloten sogar Mitglied in einem Schnupf-Klub."

Seit kurzem gibt es auch eine "Schweizer Meisterschaft im Schnupfen"
, Ihr steht der fallschirmspringende Elgger Snuffverkäufer allerdings kritisch gegenüber: "Dies wegen der grossen Mengen, die dort jeweils eingesaugt werden. Sieger wird nämlich, wer am meisten hinaufziehen kann. Und das erinnert dann doch schon eher an ein Wettsaufen als an wirklich echten, gesunden Sport".



Artikel aus der Handelszeitung vom 17.01.2001

Mit Schnupfen gegen Husten

TABAK Die einen schwören auf seine heilende Wirkung, den anderen ist er Genuss pur: Der gute alte Schnupftabak feiert ein Revival.

FLAVIAN CAJACOB

Viel hatte Christopher Kolumbus auf seinen Reisen um die Welt schon gesehen, doch dies liess ihm den Atem stocken. Mit langen Blasrohren wurden er und seine Mannen von den Eingeborenen empfangen, als sie 1492 ihre Füsse auf den weissen Strand der Bahamas setzten. Doch statt Pfeilen schoss den Eroberem ein dunkles, feingemahlenes Pulver entgegen, das die Nasenflügel heftig zum Beben brachte und bei manch einem zu tränenden Augen führte. Schnupftabak, das kannte der Entdecker vom anderen Ende der Welt noch nicht.
  Es brauchte denn einiges an Übung, bis Kolumbus den Umgang damit beherrschte. Und ein atemkräftiges Gegenüber. Denn zum original bahamesischen Schnupfen gehörten immer zwei: Der eine mit dem einen Ende des löchrigen Steckens in der Nase, der andere mit dem zweiten am Mund. Un, dos, tres -zack, schoss das Pulver auch schon durch das Blasrohr in die Nasengänge des Konsumenten und die WIrkstoffe weiter bis in die Tiefen des menschlichen Empfindens.
  Kolumbus fand Gefallen am braunen Pülverchen und seiner beraschendenWirkung. Kurzerhand nahm er einige Packen davon mitauf die Reise. Was nicht dem internen Konsum zum Opfer fiel, wurde im auslaufenden 15. Jahrhundert in Europa unter die Leute gebracht. Der Schnupftabak hatte seinen siegeszug rund um den Erdball angetreten. So jedenfalls will es die Über lieferung.

GEGEN SCHNUPFEN UND KOPFSCHMERZEN

  Heute verzichtet die weltweite Gemeinde der Schnuptler bei ihrem Genuss mehrheitlich auf martialische Hilfsmittel wie das bahamaische Blasrohr. Nach wie vor äusserst geschätzt indes wird die Wirkung, die vom gemahlenen Tabak ausgeht. «Schnupftabak macht die Atemwege frei und beugt Erkältungen vor», weist Sophie Käslin, ihres Zeichens Präsidentin des Schweizerischen Schnupfverbandes, auf die positiven Begleiterscheinungen ihres jahrelangen PriseIns hin. Sowieso, seit sie regelmässig schnupfe- kenne sie Kopfschmerzen nur mehr vom Hörensagen. Das Geheimnis jedoch, darauf will Käslinhingewiesen wissen, liege in der Dosis, die da auf einmaleingesogen werde. Nicht zu wenig, auf jeden Fall nicht zu viel. «Ideal ist ein Häufchen von der Grösse eines Gufenknopfes. Daran riecht man zuerst und atmet dann ganz sachte ein, nicht brachial und in einer Hundertstelsekunde, wie viele meinen.» So praktiziert könne das gesundheitliche Risiko auf ein Minimum heruntergeschraubt werden, glaubt die Schweizer Schnupferobfrau.

IMMER MEHR JUNGE KONSUMENTINNEN

  Anders als Zigaretten enthält Schnupftabak keinen Teer. Ganz ungefährlich jedoch ist auch das Schnupfen nicht. Der nikotinhaltige Tabak kann bei regelmässigem Konsum zur Abhängigkeit führen. Allzu grosse Prisen reizen zudem die Nasenschleimhaut über Mass und können zu Nasenkatarrh führen oder die Nasenscheidewand gar ganz perforieren. «Schnupftabak ist ein Genuss- und so- mit auch ein potenzielles Suchtmittel, dessen muss man sich bewusst sein», sagt , auch Thomas Fritsche, Inhaber der Breeze GmbH im zürcherischen Eigg. Trotzdem schätzt der Schnupf-Importeur die Gefahr, die vom nasenjuckenden Pulver ausgeht, als sehr gering ein, Weit gewichtiger wiegt für ihn der gesellschaftliche Faktor, der mit einer Prise verbunden ist. «Schnupfen ist klar ein Gruppenerlebnis», weiss Fritsche aus eigener Erfahrung, «eine Tradition, die vor allem unter Piloten und Fallschirmspringern verbreitet ist.» Mehr und mehr finden heutzutage aber auch breitere Bevölkerungskreise zum rituellen Schnupfen. Ein «Snuff» ist chic und hebt die Laune. Den «leichten Flash», wie es Fritsche ausdrückt, schätzt Opa inzwischen genauso wie die Szene der Snowboarder und Skater. Und: Ein Drittel der Schnupftabakkonsumenten sind mittlerweile -konsumentinnen.Wie aber kann der Laie schlechten Schnupftabak von gutem unterscheiden? «Der Schnupf muss fein und frisch sein, nicht trocken, denn sonst beisst er in der Nase», verrät Käslin. Blutigen Anfängern liefert sie gleich noch einen guten Rat: «Die Prise wird immer auf der linken, der Herzhand angerichtet. Wer die rechte Hand nimmt, entlarvt sich als Banause.» Wer hingegen «putzt und gschtigelt» dastehen will, der oder die setzt gleich zu einem mehr oder weniger gelungenen Schnupfspruch an. Wies die alten Eidgenossen schon taten (entsprechende Vorlagen gibts zum Beispiel unter www.schnupfspruch.ch).

.@Weitere Informationen unter:
www.schnupf.ch
www.schnupftabak.ch
www.schnupfverband. ch

 

 

 

Artikel aus dem Tages-Anzeiger vom 8.4.00



Schnupfen ist salonfähig geworden

Von Napoleon im Übermass genossen und von unseren Grossvätern heimlich gepflegt - der Snuff erlebt sein Revival.

Von Hansjörg Egger

Gierig saugen die Nasenflügel den Tabak an. Der olfaktorische Reiz erfasst die Schleimhäute, steigt in die Kiefer- und Stirnhöhlen hinauf, aktiviert das zentrale Nervensystem und entfacht im Kopf einen Coup de foudre, der das euphorische Gefühl in den Hinterkopf und allmählich den Nacken hinunter bis ins Rückenmark eindringen lässt. Feuer breitet sich in den Nasenhöhlen aus, Wasser schiesst in die Augen, eh der Snuffer - je nach Ladung - von einem leichten bis stärkeren angenehmen Taumel übermannt wird.

"Von 16 bis 80"

Man legt sich auf der Herzhand zwei Portionen zurecht und zieht die Prise mit einem gemeinsamen Toast auf das Schnupfen, das Leben und alles, was uns Spass macht, in die Nasenlöcher. Was schon vor Jahren in der Fallschirmspringerszene und unter Militärpiloten weit verbreitet war, hat nun auch Jugendliche auf ihrer ständigen Suche nach einem neuen ultimativen Kick erfasst. Was die Grossväter gern und oft im Ohrensessel in die Nasen zogen - es durfte auch mal ein fein gemahlener Zigarrenstummel sein - ist wieder salonfähig geworden und saust heute durch die Riechorgane ihrer boardenden und skatenden Enkelkinder.

Das kann Kioskfrau Maria Gerussi in Uster bestätigen, bei der die Nachfrage nach Schnupftabak in letzter Zeit ständig gestiegen ist: "Meine Kundschaft reicht jetzt von 16 bis 80." Davon sind mindestens ein Drittel Frauen. Ihre älteste Kundin ist achtzig. Gerussi: "Vielleicht sieht sie deshalb noch so blendend aus, weil sie sich täglich ein Glas Rotwein und einen Schnupf genehmigt", sagt die Kioskfrau, die auch selber gern mal eine Prise nimmt, speziell, wenn bei ihr ein Schnupfen im Anmarsch ist.

McChrystals, Sturco, President, Jip, Ozona, Red Bull, Gletscher- oder Löwenprise heissen die verführerischen Muntermacher, und sie kommen in eleganter Tin (Metallbüchse) oder praktischem Portionendöschen daher. Versetzt mit ätherischen Ingredienzen und Aromen, von Minze, Pfirsich bis Himbeere, ist der nikotinhaltige Tabaksnuff nicht zu verwechseln mit den in Bayern sehr verbreiteten Schnupfpulvern der Marke Schmalzerlfranzl oder Edelweiss oder gar mit Niespulver.

Nicht ungefährlich

Einst wurde der Snuff von Ärzten und Naturheilern gegen Schnupfen, Husten, Schlaflosigkeit und andere Gebresten verschrieben, heute raten Mediziner zur Zurückhaltung. Über die gesundheitlichen Risiken ist wenig bekannt; eine der wenigen näheren Untersuchungen ist vor Jahren an der Universität von Zimbabwe gemacht worden. Einer, der besonders häufig in schnupferprobte (Piloten-)Nasenlöcher schaut, ist der Dübendorfer Kurt Hauser vom Fliegerärztlichen Institut. "Alles eine Frage der Dosis", meint der erfahrene Flugmediziner. Wer seine Nasenschleimhaut nur hie und da mit einem Schnupf reize, könne das gesundheitliche Risiko in vertretbaren Grenzen halten. Süchtige Snuffer riskierten dagegen eine chronische Rhinitis und im schlimmsten Fall sogar Löcher in der Nasenscheidewand. Und Hauser warnt: Der regelmässige Konsum des nikotinhaltigen Tabaks führt auch beim Schnupfen zur Abhängigkeit.

Bis ins 19. Jahrhundert übertraf die Herstellung von Snuff die Produktion von kau- und rauchbarem Tabak. Die ersten Breezer waren die amerikanischen Ureinwohner. Noch bevor sie den Tabak in die Friedenspfeifen stopften, kauten und schnupften sie die zerriebene aromatische Kulturpflanze. Kein Geringerer als Christoph Kolumbus soll das mysteriöse Pulver dort entdeckt und nach Europa gebracht haben, wo es an den spanischen und französischen Höfen konsumiert und auf den Schiffen den Matrosen als Heuer angeboten wurde. Dann fand der Snuff den Weg nach England, wo seither nach streng gehütetem Rezept über Generationen die besten Snuffs gemixt werden. Auf der britischen Insel wurden sie vor allem bei der Aristokratie zur Passion. Eine der eifrigsten Schnupferinnen war die Gemahlin George III., Königin Charlotte, die im Volk bald nur noch Snuffy Charlotte genannt wurde. Berühmte Breezer waren auch der englische Naturforscher Charles Darwin, die Kriegsherren Admiral Nelson und Napoleon, die dem braunen Pulver in besonderem Masse zugesprochen haben sollen, oder in neuerer Zeit der deutsche Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt.

Raues Umfeld

Aber auch in der Schweiz fand der Schnupf schon früh seine Freunde - ebenfalls in einem martialischen Umfeld. Nämlich bei den alten Eidgenossen, wie ein alter Schnupfspruch belegt, den man bei einem Obwaldner Krieger gefunden hatte.

Eingenäht in einem Schweinebauch stand auf dem Zettel: D Händ zäme, s flieht e känä. Uusrichte, ufezieh, ned go chotze, durebürschte, d Geischter protze. Usenand, Abschied nää. Ned für lang, dä nächschti nää.